Sakrale Kostbarkeiten in und um Hettenschwil
Wir vom Stiftungsrat der St. Verena Stiftung gehen einmal pro Jahr auf Reisen. 2021 zum Beispiel besuchten wir die Abegg-Stiftung in Ringgisberg, wo aktuell die tausendjährigen wertvollen Widder-Stoffe aus dem Zurzacher Kirchenschatz restauriert werden. Vergangenes Jahr besichtigten wir die herausragende Ausstellung «Welterbe des Mittelalters» in Konstanz, wo der von uns ausgeliehene Verena-Arm prominent zur Geltung kam. Heuer gings in die nächste Umgebung, genau nach Hettenschwil, wo Arthur Vögele, Präsident unserer Stiftung, aufwuchs und zur Schule ging.
Arthur Vögele fungierte somit als Tourguide und zeigte als erstes die Hettenschwiler Kapelle aus dem Jahre 1642. Anfang des 17. Jahrhunderts wütete in Europa die Pest; damals sicher mit ein Grund, um die Kapelle den Heiligen Sebastian und Rochus zu weihen, die beide bei Seuchen und ansteckenden Krankheiten angerufen werden. Die Kapelle ist sehenswert und dient heutzutage vor allem der Einkehr. Das Altarbild mit dem geschnitzten Holzaufbau, die beiden seitlichen Gemälde und das übergrosse Bild an der Rückwand verschönern den sakralen Raum. Eine Anekdote: Anlässlich der Innenrenovation von 1972 rettete das ehemalige Sigristenpaar Ida und Arthur Vögele, die Eltern unseres Präsidenten, die farbigen ausgebauten Kapellenfenster mit den Glasmalereien vor ihrer Zerstörung und bewahrte sie jahrzehntelang in der eigenen Scheune auf. Bei der nächsten Renovation rund 35 Jahre später wurden sie fachgerecht restauriert und wieder eingesetzt.
Etwas oberhalb von Hettenschwil, mitten im sogenannten Schwedenwald, befindet sich das viereinhalb Meter hohe Schwedenkreuz, das an das Ende des Dreissigjährigen Krieges erinnert. Die Schweden sollen bis in die damalige Grenzgegend zwischen dem österreichischen Fricktal, dem Berner Aargau und der Grafschaft Baden vorgedrungen und vor dem nahen Weiler Eidgenossenhäuser zurückgedrängt und blutig geschlagen worden sein.
Am Waldrand, auf dem Weg zum Schwedenkreuz passierten wir das sogenannte Schwedenbrünneli. Diese sprudelnde klare Quelle in anderthalb Meter Tiefe wurde bei der Güterregulierung vor fast hundert Jahren entdeckt und gefasst.
Zum Abschluss zeigte Arthur Vögele einen weiteren Kraftort im Zurzibiet: Die Lourdes-Grotte ausserhalb Leuggern. Eine Reise nach Lourdes inspirierte 1929 den damaligen Leuggemer Pfarrer Franz Xaver Knecht, eine Grotte mit den exakt gleichen Massen wie die Originalstätte in den Pyrenäen am Guntebach zwischen Leuggern und Hettenschwil detailgetreu nachbauen zu lassen. Heute noch pilgern Jahr für Jahr unzählige Gläubige an diesen idyllischen Ort der Besinnung und Andacht.
Rochus, einer der Kapellenheiligen von Hettenschwil, stammt aus Montpellier und heisst, weil Franzose, eigentlich Saint Roch. Deshalb werde ich mich diesen Herbst im TGV Richtung Südfrankreich beim Umsteigen im Gare de Montpellier-Saint-Roch gerne an das Sommer-Reisli der St. Verena Stiftung und insbesondere an die Kapelle in Hettenschwil erinnern.
Vre Schneider, Mitglied des Stiftungsrates der St. Verena Stiftung

