Fünf Kirchgemeinden – gemeinsam in die Zukunft?

Wie sollen sich die fünf Kirchgemeinden im Pastoralraum Zurzach-Studenland künftig organisieren? Diese Frage stand im Zentrum der öffentlichen Informationsveranstaltungen am 7. September in Schneisingen und am 9. September in Bad Zurzach. Dabei zeigte sich: Der Handlungsbedarf wird weitgehend anerkannt – über Weg und Tempo bestehen jedoch unterschiedliche Vorstellungen.

Die Projektgruppe «Prüfung vertiefte Zusammenarbeit der Kirchgemeinden» beschäftigt sich seit über einem Jahr mit der langfristigen Gestaltung der staatskirchenrechtlichen Strukturen. Die fünf Pfarreien bilden bereits heute einen gemeinsamen Pastoralraum. Auf staatskirchenrechtlicher Ebene bestehen jedoch fünf eigenständige Kirchgemeinden mit jeweils eigenen Kirchenpflegen, Finanzen und Verwaltungsstrukturen. Hinzu kommt ein Zweckverband, über den sich die Kirchgemeinden des Pastoralraums koordinieren. Der Verwaltungsaufwand für den Pastoralraum ist kompliziert und sehr zeitaufwändig.

An den Informationsveranstaltungen präsentierte die Projektgruppe die Ausgangslage, bisherige Abklärungen und verschiedene Zukunftsszenarien, wie diese Strukturen künftig vereinfacht werden könnten. Die Kirchgemeinden sind finanziell grundsätzlich noch solide aufgestellt. Gleichzeitig machen sich sinkende Mitgliederzahlen, rückläufige Steuereinnahmen, bevorstehende Investitionen und Schwierigkeiten bei der Besetzung kirchlicher Ämter zunehmend bemerkbar.

Im Pastoralraum ist die Mitgliederzahl in den letzten Jahren stetig zurückgegangen. Jährlich nehmen die Kirchgemeinden weniger Steuern ein. Mehrere Kirchgemeinden haben zunehmend Mühe, ihre Behörden vollständig zu besetzen. Können notwendige Ämter in den Kirchgemeinden nicht mehr besetzt werden, droht im Extremfall eine Sachwaltung – eine kostspielige Übergangslösung.

Die Dringlichkeit wurde an den Veranstaltungen mit dem Sinnbild des «sterbenden Schwans» für die Kirche in ihren bisherigen Strukturen beschrieben. Gemeint war nicht das Ende des kirchlichen Lebens, sondern die Erkenntnis, dass die heutige Organisationsform mittelfristig an ihre Grenzen stossen. Ein Weiterführen der aktuellen Struktur erscheint deshalb längerfristig wenig realistisch.

Die Echos an den beiden Abenden

In Schneisingen wurden vor allem mögliche Nachteile eines Zusammenschlusses diskutiert. Befürchtet wurden der Verlust der Verbundenheit mit der eigenen Kirchgemeinde sowie ein Verlust an Nähe und Identität. Ebenso wurden eine abnehmende Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit sowie der Verlust gewachsener Traditionen und lokaler Veranstaltungen genannt. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die Projektgruppe mit dem Prozess sehr rasch voranschreite und mehr Zeit für Reflexion sowie für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema nötig sei.

Gleichzeitig wurden aber auch Chancen gesehen: Eine grössere Kirchgemeinde könnte professionellere Verwaltungsstrukturen ermöglichen, die Kirchenpflege entlasten und die Gefahr einer Sachwaltung reduzieren. Finanz-, Investitions- und Immobilienfragen könnten gemeinsam koordiniert werden. Klar wurde jedoch auch: Ein Zusammenschluss ist nicht automatisch ein Sparprogramm – eine professionelle Verwaltung verursacht ebenfalls Kosten.

Auch in Bad Zurzach wurden zahlreiche wichtige und kritische Fragen gestellt. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Zusammenarbeit keineswegs neu ist: Der heutige Pastoralraum hat seine Wurzeln in einem vor 54 Jahren gegründeten Pfarreienverband. Vor diesem Hintergrund wurde gefragt, ob ein verwaltungstechnischer Zusammenschluss nach mehr als einem halben Jahrhundert gemeinsamer Entwicklung nicht längst selbstverständlich sein sollte.

Damit rückte weniger das «Ob» als das «Wie» in den Vordergrund: Wie wird eine gemeinsame Kirchgemeinde organisiert? Wie hoch wäre ein gemeinsamer Steuerfuss? Welche Investitionen stehen an? Wie werden Vermögen, Verpflichtungen und Immobilien eingebracht? Und wie bleibt das lokale Pfarreileben auch in einer grösseren Organisation lebendig?

Gemeinsam organisieren, lokal verwurzelt bleiben

Dieser letzte Punkt zieht sich wie ein roter Faden durch das Projekt. Ein Zusammenschluss der Kirchgemeinden bedeutet nicht, dass aus den fünf Pfarreien eine einzige Pfarrei wird. Das kirchliche Leben soll weiterhin vor Ort stattfinden und im Rahmen des neuen Pastoralraumkonzeptes gestaltet werden.

Diskussion mit den Kirchenpflegen im Frühjahr 2026

Die Projektgruppe stellte verschiedene Modelle vor. Neben einem vollständigen Zusammenschluss wurden der Status quo, eine Professionalisierung gemeinsamer Verwaltungsaufgaben, partielle Zusammenschlüsse und eine stärkere Bündelung über den bestehenden Zweckverband geprüft. Nach Einschätzung der Projektgruppe und aller fünf Kirchenpflegen lösen diese Modelle als Zwischenlösungen die strukturellen Herausforderungen jedoch nur teilweise. Ein Zusammenschluss wird längerfristig unausweichlich sein.

Nächste Schritte

Die Informationsveranstaltungen waren Teil eines Dialog- und Meinungsbildungsprozesses. Fragen, Anregungen und Bedenken aus den Kirchgemeinden werden in die weiteren Arbeiten einfliessen.

Im Herbst folgen weitere Abklärungen zum Investitionsbedarf, zur Finanz- und Investitionsplanung, zu einem möglichen gemeinsamen Steuerfuss sowie zu möglichen Organisationsstrukturen im Falle eines Zusammenschlusses. Der vorgestellte Zeitplan sah als frühestmöglichen Termin eine Urnenabstimmung über den Zusammenschluss im Juni 2027 vor. Bei einer Zustimmung der Stimmberechtigten wäre die Bildung einer gemeinsamen Kirchgemeinde per 1. Januar 2028 möglich gewesen.

Die Projektgruppe führt die begonnenen Abklärungen weiter und vertieft in der nächsten Phase insbesondere jene Fragen, die sich aus den bisherigen Arbeiten und den Rückmeldungen aus den Kirchgemeinden ergeben haben. Um dafür ausreichend Zeit zu schaffen und eine breit abgestützte Grundlage zu erarbeiten, wird der weitere Prozess auf eine mögliche Neuorganisation per 1. Januar 2029 ausgerichtet.

Blick nach vorne

Die beiden Informationsabende haben gezeigt, dass noch zahlreiche Fragen offen sind. Ebenso wurde deutlich, dass sich die fünf Kirchgemeinden mit ihrer zukünftigen Organisation auseinandersetzen müssen. Die Herausforderung besteht darin, tragfähige Strukturen zu entwickeln und gleichzeitig Nähe, Identität und kirchliches Leben in den einzelnen Pfarreien zu bewahren.

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