Koptischer Besuch in Bad Zurzach

Aus Anlass der Reliquienübergabe am 25. September feierten Vertreter der koptischen Kirche in der Schweiz und Bischof Serapion von Los Angeles mit 40 Gläubigen aus Ohio einen festlich koptisch-orthodoxen Gottesdienst am Grab der Heiligen Verena im Verenamünster.

Der Anlass

Bischof Serapion aus Los Angeles konnte Ende September im Verenamünster zwei Verena-Reliquien in Empfang nehmen: Eine war für eine koptisch-orthodoxe Kirche in Ohio bestimmt, die andere für eine Kirche in Wien. Diese wurde von Bischof Gabriel übermittelt.

Die besondere Art des koptisch-orthodoxen Gottesdienstes, bei dem alle Sinne angeregt werden, fällt einer nicht koptischen Besucherin sofort auf. Der Raum ist von wohlriechendem Weihrauch durchdrungen. Männer und Frauen sitzen getrennt und unbeschuht in Socken. Männer tragen oftmals weisse Gewänder, die mit Stickereien und Goldfäden verziert sind. Ein weisses Spitzentuch bedeckt die Haare der Frauen. Alle Texte werden in englischer und in arabischer Sprache vorgetragen. Es ist keineswegs ruhig im Gotteshaus. Phasenweise ist sogar eine Unruhe durch Platzwechsel für eine bestimmte Aufgabe und tiefe Verbeugungen spürbar. Viele Texte werden oft ohne Instrumentalbegleitung gesungen, allenfalls setzt ein Triangel musikalische Akzente. Lange Gebete des Bischofs begleiten das Brotbrechen. Gesänge ertönen beim Verteilen des Brotes und Weines, bei dem zuerst die Männer und dann die Frauen und Kinder an die Reihe kommen.

Nach der Liturgie in der Krypta im Verenamünster trafen sich die Gläubigen im Forum zu einem einfachen Mittagsessen. Anschliessend sorgten Youssef Bastawrous, Vizepräsident des Vereins der koptisch-orthodoxen Kirche der Deutschschweiz und seine Frau Verena für Kaffee, Tee und Nussstrudel.

Am Stand der St. Verena Stiftung konnten die Gäste Andenken und Souvenirs erwerben.

Verena

Verena ist im späten 3.Jahrhundert n. Chr. als getaufte junge Frau aus Theben (heute ist das Luxor) mit der thebäischen Legion unter ihrem Anführer Mauritius in die Schweiz gekommen. Verena, die Legionäre und auch die mitreisenden Angehörigen waren Christen und gehörten der koptisch-orthodoxen Kirche Ägyptens an. Nachdem die Legion im Wallis bei Agaunum (Saint-Maurice) wegen ihres christlichen Glaubens mehrfach dezimiert wurde, versprengten sich die übrig gebliebenen Soldaten der Legion.

Verena kam über Solothurn und Koblenz nach Zurzach, wo es bereits eine christliche Gemeinde neben dem römischen Lager gab.

Heute wird Verena in der koptisch-orthodoxen Kirche als Schutzpatronin verehrt.

Koptisch-orthodoxe Kirche

Die koptisch-orthodoxe Kirche ist eine frühe christliche Kirche aus Ägypten. Sie geht auf den Evangelisten Markus zurück, der in der Zeit von 61 bis 68 n. Chr in Alexandria lehrte und der als erster Patriarch der koptisch-orthodoxen Religion gilt.

Nach der Gründung des Islam begannen im 7. Jahrhundert die ersten Vertreibungen der Kopten aus Ägypten. Nach der Gründung der Republik Ägypten im Jahr 1952 verschärfte sich die Spaltung zwischen Kopten und Muslimen. Präsident Gamal Abdel Nasser gründete Ägypten als muslimischen Staat, was über die Jahre eine Massenflucht der koptischen Bevölkerung in alle Welt zur Folge hatte.

Auch heute noch wird die koptische Kirche in Ägypten diskriminiert und verfolgt.

Die Kopten in der Schweiz

Die zunehmende Anzahl koptischer Menschen in der Schweiz verlangt nach gelegentlichen koptisch-orthodoxen Gottesdiensten. So bestimmte der koptische Papst in Ägypten Pater Serapion zum Priester für die Schweiz. Bereits ein Jahr später wurde Pater Serapion zum Bischof geweiht, und er verliess die Schweiz wieder. Heute ist er der Bischof von Los Angeles.

Weitere Priester folgten auf Pater Serapion; unter anderen Pater Gabriel, der heute als Bischof für Österreich und die deutschsprachige Schweiz amtet.

Pater Isidoros, einer der verantwortlichen Priester im Raum Zürich, ist ein häufiger und gern gesehener Gast jeweils am Verenatag und überhaupt in Bad Zurzach.

Text: Christine Knopf / Foto: Claudia Jordi

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